devio – Demenzworkshop-Kit gewinnt Preis des Hochschulrats

Zum achten Mal ist am 11. Juli der Preis des Hochschulrats der Hochschule Mainz verliehen worden, mit dem herausragende Studienleistungen ausgezeichnet werden.

In ihrer fachlich hervorragenden wissenschaftlich-gestalterischen Abschluss-Arbeit haben die beiden Absolventen ein gesellschaftspolitisch höchst relevantes soziales Thema aufgegriffen und dazu eine zukunftsweisende Innovation erarbeitet. Im Hinblick auf den demografischen Wandel steigt, prozentual gesehen, das Risiko, an einer Form von Demenz zu erkranken, enorm. Experten gehen davon aus, dass bis 2050 rund 3 Millionen Menschen in Deutschland von Demenz betroffen sein werden. Da bislang weder ein Heil- noch ein Präventionsmittel für  die Krankheit existiert, erweist sich besonders die adäquate Pflege von Demenzerkrankten als ein wichtiger Punkt, um die Lebensqualität von Betroffenen zu sichern und zu verbessern.

Ausgehend von der prognostizierten demografischen Entwicklung, aber auch hoch motiviert durch ihre eigenen beruflichen Erfahrungen im Zivildienst im Alten- und Pflegeheim (Alexander Bothe) bzw. als Alten- und Schwerstbehindertenbetreuer
(Stefan Valerio Meister), stellten sich die beiden Kommunikationsdesigner im Wesentlichen drei Fragen:
Wie erleben von Demenz Betroffene ihre Umwelt?
Wie kann dieses Erleben kommuniziert werden für diejenigen, die mit von Demenz Betroffenen umgehen, z.B. Angehörige und professionell Pflegende? Wie kann eine Auseinandersetzung bzw. Reflexion darüber stattfinden, so dass – z.B. in der Ausbildung von Pflegeschülerinnen und -schülern – eine Sensibilisierung und ein Empathietraining stattfinden können?

In ihrer umfangreichen 243-seitigen theoretischen Master-Arbeit „devio – Konzeption und Gestaltung eines Demenz-Empathie-Workshops“ bearbeiteten die beiden Absolventen detailliert die Krankheitsbilder der Demenz, die Entwicklung und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Demenz in Deutschland, Demenz und Design mit der Recherche von Projektbeispielen. Zudem wurden die Pflegesituation, die Altenpflegeausbildung und die hier vorhandenen Demenzmodelle analysiert, um dann pädagogische Details des Empathietrainings vorzustellen.

Auf der Basis einer umfangreichen Recherche zum tatsächlich demenziellen Erleben entwickelten Alexander Bothe und Stefan Valerio Meister ein Demenzworkshop-Kit, das zum einen auf einer Augmented-Reality-Brille aufbaut, welche die Wahrnehmung des Trägers live demenziell verändert, z. B. durch Störgeräusche, Sprachverzerrungen, Sichtfeldeinschränkung, Gesichtsverfremdungen und Bildüberlagerungen. Zum anderen wurden szenische Rollenspiele erarbeitet, die in Kombination mit der Augmented-Reality-Brille Szenen enthalten, die von Teilnehmerinnen und Teilnehmern vorbereitet und gespielt werden.

Ziel dieses mobilen Empathietrainings ist es, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eines Workshops (z.B. Pflegeschülerinnen und -schülern) zu ermöglichen, sich in die Erlebnis- und Gefühlswelt von Menschen mit Demenz hineinzuversetzen, um durch das Empathietraining der betreuenden Personen die Lebensqualität der von Demenz Betroffenen zu verbessern. Das Kit soll in der Aus- und Weiterbildung von Pflegepersonal eingesetzt werden sowie bei der Unterstützung von Angehörigen.

Den Preis hatte der Hochschulrat 2009 gestiftet. Der Vorsitzende des Gremiums, Richard Patzke, betonte bei der Verleihung: „Der Preis ist eine besondere Auszeichnung für die Studierenden und Absolventen. Denn ihre Hochschule honoriert damit nicht nur herausragende Studienleistungen, sondern auch das allgemeine soziale oder hochschulpolitische Engagement der Preisträger. Darüber hinaus zeigt die Hochschule Mainz gegenüber den Wirtschaftsunternehmen an diesem Standort, der Politik, den Verwaltungen, Behörden und alle anderen Institutionen und Gruppierungen von gesellschaftlichem Einfluss, dass sie ein Leistungsträger des Fortschritts in der Region und für die Region ist.“