Review — Gestaltung des digitalen Lesens: Die Konferenz ReadOn

Bei sonnigem Wetter fand am 27. April in der Aula Holzstraße die „ReadOn-Konferenz“ statt. Mehr als 200 Gäste folgten der Einladung des Masterstudiengangs Gutenberg Intermedia „Type+Code“, sich über die Gestaltung des digitalen Lesens auszutauschen.

In ihrem Eingangsvortrag stellten Prof. Florian Jenett und Prof. Philipp Pape die Themen der Konferenz vor: Was sind die Besonderheiten des digitalen Lesens? Warum werden überzeugende Gestaltungsansätze für digitale Lesemedien blockiert? Warum wird digitales Lesen trotz seiner Omnipräsenz nicht ernster genommen – insbesondere in Deutschland? Welchen Gestalter-Typus müssten Hochschulen heute ausbilden, um diesem immensen Gestaltungsbedarf besser nachkommen zu können?

Dr. Svenja Hagenhoff, Buchwissenschaftlerin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg führte in ihrem Vortrag aus, dass sich der Blick der Gesellschaft, aber auch der Forschung oft auf Teilaspekte des Lesens – das Lesen langer, romanhafter Texte – verenge. Da traditionelle Medienformen die Rezeption und den Umgang mit digitalen Medien nach wie vor prägten, müsse es darum gehen, den Blick zu weiten. Entsprechend eröffnen sich in der Forschung, so Hagenhoff, weite, noch unbearbeitete Felder, für die es meist an Forschungsmitteln fehle.

Nach einer angenehmen Mittagspause im Hof der Hochschule zeigte Niels Schrader vom Büro Minddesign und Leiter der BA und MA Studiengänge für Graphikdesign an der Royal Academy of Art in Den Haag, wie aus seiner Beschäftigung mit Büchern eine Faszination für die vielfältigen Verbindungen und numerischen Zusammenhänge in Texten entstanden ist, die in Arbeiten mit nonlinearen, digitalen Erzählformen mündeten.

Christian Hanke vom Büro EdenSpiekermann erlaubte in seinem Vortrag tiefe Einblicke in die Arbeit mit Zeitungen, die heute vor allem im Web gelesen werden, jedoch auch zusätzlich gedruckte Auflagen anbieten. In der Entwicklung digitaler Angebote hätten sich wichtige Diskussionen zwischen Gestaltern und Redaktionen entzündet, die schließlich die Informationsarchitektur der Zeitungen mit ihren unterschiedlichen Leserarten prägen. Wie gelingt der Übergang zwischen diesen unterschiedlichen Mindsets der Leser, war eine der von Hanke ausgeführten Fragen.

Mike Guppy, Dan Powell und Nate van der Ende von Hover States, einer Website, die alternatives, zeitgenössisches Webdesign sammelt und präsentiert, führten aus, wie gestalterische Innovationen entstehen, sich zu Trends entwickeln, wie diese wieder vergehen und sich aus diesen Zyklen schließlich aktuelles Design entwickelt. Außerdem machten sie deutlich, dass oft mit geringen Mitteln und Änderungen Innovationen geschaffen werden können, die zu neuen Trends führen.

Zum Abschluss zeigte Frank Rausch eindrücklich, wie er die Qualität analoger Typografie auch in digitalen Lesemedien erreicht. Die Methoden der Typografie müsse, bedingt durch den prozesshaften Charakter digitaler Medien, neu und anders gedacht werden – dies sei die »Neue Typografie« von heute. Anhand seiner App ›V‹ demonstrierte er, wie diese neue Typografie in konkreter Anwendung aussehen kann.