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FUTURA - Tribute to a Typeface

Alles ist in Silber und Pastell getaucht. Kollegen*innen und Studierende aus dem gesamten Bundesgebiet sowie dem Ausland sind angereist und füllen die Aula der Hochschule Mainz bis auf den letzten Platz. Als die Initiatorinnen Prof. Dr. Petra Eisele und Prof. Dr. Isabel Naegele das Symposium FUTURA – Tribute to a Typeface eröffnen, erreicht ihr mehrjähriges Forschungsprojekt zur berühmtesten deutschen Grotesk-Schrift FUTURA des Typografen Paul Renner seinen vorläufigen Höhepunkt. Nach ihrem einleitenden Bericht über den aktuellen Forschungsstand und dem glücklichen Fund verschollener Dokumente, mit denen sie die Entstehung der Schrift eindrucksvoll belegen, folgen bis zum frühen Abend noch neun weitere Vorträge von internationalen Theoretiker*innen und Designer*innen. Die Ehrungen zum 90. Geburtstag der Schrift FUTURA fallen in den insgesamt 10 Redebeiträgen des Symposiums so vielseitig aus wie der Einsatz der Schrift selbst.

Während der aus Barcelona angereiste Grafikdesigner Pere Alvaro von Bisdixit von der Einfachheit, Wirtschaftlichkeit, dem starken Charakter und der Einzigartigkeit der Futura schwärmt, kritisieren André Gröger und Susanne Kehrer von I LIKE BIRDS in Hamburg an der Futura gerade ihre Beliebigkeit.

Ihr Vorteil, anpassungsfähig zu sein, mache sie eben auch wenig individuell, so würde sie immer verwendet, wenn sonst nichts mehr gehe und man den Einsatz einer anderen Schrift nicht wagen wolle. Dem konträren subjektiven Empfinden der Grafiker setzte der in Reading lehrende Schriftdesigner und Designtheoretiker Christopher Burke mit seinem Vortrag »Paul Renner – the man behind Futura« einen gelungenen Einblick in das Leben und Werk des Typographen entgegen. Besonders wichtig war in diesem Zusammenhang die Begegnung des Typographen mit seinem jüngeren Kollegen Jan Tschichold. Dieser schätze die geometrische Schrift gerade ihrer schmucklosen, exakten Formen wegen und setze sie häufig in seinen Arbeiten ein.

Stefanie Barth und Carina Frey, Art Direktorinnen und Herausgeberinnen des französischen Magazins »double«, kombinieren die strengen, geometrischen Formen der Futura gerne experimentell mit anderen Serifenschriften und hochwertigen Magazinfotografien.

 

Für den Schriftgestalter Jakob Runge aus München ist die Futura eine wichtige Basis für die Entwicklung seiner Schriften, u. a. der Schrift »Lenbach Grotesk«, die er, wie der Name verrät, für das Erscheinungsbild der Städtischen Galerie in München, dem Lenbachhaus, entworfen hat. Auch im Vortrag von Nicole Ammon vom Frankfurter Designbüro Gardeners zeigt sich, was sich bereits bei Pere Alvarez andeutete, dass die Futura eine Schrift ist, die gerne für und von Kulturinstitutionen verwendet wird, ob als Original oder in Formvariationen. So baut das Designbüro beim typografischen Gesamtkonzept für den Neubau des Historischen Museums Frankfurt auf die Futura und begründet dies mit der Entwicklung der Schrift im Kontext des Neuen Frankfurts in den 1920er Jahren. Eine bedeutungsvolle Schrift also, die gerade für ein Stadtmuseum, das die Geschichte der Stadt spiegele, ideal sei.

 

Der Futura im Kontext des Modernisierungs- und Gestaltungsprojekts »Das Neue Frankfurt« widmet sich dann ausführlich Klaus Klemp, Kurator für Design am Museum Angewandte Kunst in Frankfurt und Professor für Designtheorie und -geschichte an der HfG Offenbach. Doch Klemp legt in seinem Vortrag »Hans Leistikow und der Versuch eines Corporate Design für das Neue Frankfurt« nicht nur die zahlreichen Verbindungen der Schrift dar, sondern erzählten in seinem kurzweiligen Vortrag auch von den zwischenmenschlichen Beziehungen des illustren gesellschaftlichen Umfeldes um den Architekten Hans Leistikow und seine Schwester Grete.

Am Ende des Symposiums zeigt der niederländische Designer Albert-Jan Pool in seinem epischen Vortrag eindrucksvoll, dass sich die Spuren des »grotesken einäugigen a« bis in die Römerzeit zurückverfolgen lassen. Doch das »a« mochte noch so häufig wiederholt die Alphabete der Geschichte durchstreifen, erst die »Kooperation« mit der Futura machte aus ihm das markante, bewunderte, doppelstöckige »a«. Aha!

Die Konferenz endet am frühen Abend. Doch, was wäre eine Auseinandersetzung mit einer Schrift, die vor 90 Jahren ganz visionär war, ohne einer unter heutigen Bedingungen zeitgemäßen 7/24 Fortsetzung? Und so kann man noch immer auf der Website type-trap von Sarah Schmidt und Christian Weber seine Futura-Fundstücke hochladen und hunderte Futura-Variationen entdecken.