Ein Leben im Kokon

Remote Riso

Als das Sommersemester am 16. März 2020 startete, war klar: Das hier wird kein Semester, wie wir es kennen. Das hier wird anders. Es fühlte sich wie eine Wanderung an, von der man weder Strecke noch Ziel kennt, nur eine wage Vermutung hat, wohin es gehen könnte. Und trotzdem hieß es: Loslaufen.

Die DI Risomania sollte sich mit dem Risographen, mit fluoreszierendem Orange, nie trocknenden Farben und schwereren Drucktrommeln beschäftigen, stattdessen saßen alle Studierenden zuhause – der Risograph weit entfernt.

Zuhause zu sein, im Lockdown, im Isolationsmodus, in der von außen bestimmten Entschleunigung mag für den einen gar nicht so schlimm sein, für den anderen hingegen schon.
Homing, Cocooning oder in pathologischer Form „Hikikomori“ sind drei Phänomene, denen eine Gemeinsamkeit innewohnt: eben das eigene Zuhause. Während Homing mehr als Trend zu verstehen ist, noch nicht viel mit sozialer Isolation gemein hat, eher den sozialen Lebensmittelpunkt – ja, IKEA sagt es schon lange „Wohnst du noch oder lebst du schon?“– in die eigenen vier Wände katapultiert, ist Cocooning als Rückzug und Einigeln vor der Gesellschaft zu verstehen. Beim Cooconing meidet der Einzelne aus sozialen Ängsten oder möglichen Gefahren die Außenwelt, zieht sich in sein Eigenheim zurück und beschränkt seine sozialen Kontakte auf ein Minimum.
In seiner extrem Form und zugleich auch in pathologischer Weise wird das Phänomen zum Hikikomori. Menschen werden zu Unsichtbaren. Verlassen das Haus, manchmal sogar das eigene Zimmer nicht mehr. Soziale Kontakte gibt es weder in der realen Welt noch in einer virtuell Simulation.

Zurück zur DI Risomania: Sie erstellte Postkarten, die sich mit den drei Phänomenen auseinandersetze. Jede Studentin, jeder Student in eigener Art und Weise. So bekam die wage Wanderung langsam einen Plan

Die Postkarten werden am 2. Juni 2020 gedruckt und das Ergebnis wird dann auch auf dem Blog zu sehen sein. Nun erst einmal die digitale Version.

Katharina Schnaubelt

Isabel Dittrich

Veronica Obenauer

Vlad Boyko

Laura Serwene