Von Prokrastination und Detox-Smoothies

Der Frühling ist spürbar, das neue Semester läuft und man will dieses Mal auf jeden Fall alles anders machen: Endlich die 1,0 in Corporate Design, das Gewinner-Plakat bei „die 100 besten Plakate“, eine Detox-Kur und die fancy Sportleggins mit dem Motivated-Aufdruck zum Sommer. Das Total-Umstyling fürs Leben und der eigenen Work-Life-Balance stehen in den Startlöchern. Die Natur legt auch gerade los und alles in dir schreit: Fang jetzt an.
Leichter gesagt als getan! Etwa 90 Prozent der Bevölkerung neigen dazu, aufzuschieben und rund 20 Prozent leiden sogar unter chronischem Aufschieben, auch Prokrastination genannt. Zugegeben ich selbst habe aufgeschoben. Die Deadline dieses Artikels war Dienstag 15 Uhr und am Montag um 21.47 Uhr habe ich mich dazu überwunden zu schreiben, die ersten Ideen zu sammeln.

Doch warum schieben wir? Also warum putze ich lieber mein Badezimmer, als einfach loszulegen, zu schreiben? Aufschieben wird schnell mit Willenlosigkeit gleichgesetzt, aber das ist viel mehr eine Unterstellung als eine Tatsache. Hinter dem Aufschieben stecken andere Motive.

Wie mit einem Schneeschieber schieben wir nicht nur die ungeliebten Aufgaben vor uns her, sondern auch die mit einhergehenden, unangenehmen Gefühle. Wenn ich meine Bewerbung für den Nebenjob als Werkstudentin in einer Agentur abschicke, kriecht mir sofort die Angst den Nacken hoch, nicht gut genug zu sein.
Disney plus, Netflix – here we go again! Wer kennt es nicht? Die Schuld kann auf die fehlende Zeit geschoben werden und das schont den Selbstwert: „Ich kann das, aber ich hatte einfach zu wenig Zeit!“.
Ein anderer Grund liegt in unserer Biologie: Wir wollen Erfolgserlebnisse. Heißt, alles, was schnell zu erledigen ist, bevorzugen wir. Da diese Handlungsweise unmittelbare Erfolgserlebnisse verspricht und unser Belohnungssystem im Gehirn füttert. Lange kompliziertere Aufgaben werden also ungern gemacht. Die Tüte Haribo ist schließlich auch schneller im Mund verschwunden, als ich um den Block gelaufen bin.

Perfektionisten sind nebenbei bemerkt besonders stark im Aufschieben. Denn je perfekter ihre Arbeit sein soll, desto wahrscheinlicher ist es, mit der Aufgabe erst gar nicht anzufangen. Der Druck im Kopf, die Angst sein gesetztes Ziel nicht zu erreichen, ist zu groß. Was folgt: schieben, schieben, schieben.

Was also tun?

Detox-Smoothies gegen das Aufschieben! In meinen Gedanken habe ich schon das Patent angemeldet:
Ein Schluck vom roten Himbeer-Minz-Smoothie mit dem Geschmack nach wahrer Erkenntnis würde meine Frage „Warum ich aufschiebe?“ sofort beantworten. Warum wollte ich meinen Laptop nicht aufklappen und die leere Seite füllen? – Alles beantwortet.
Die Furchtlose Feige wäre mein nächster Smoothie im Regal. Angst vor zu hoch gesetzten Zielen und nicht zu erfüllenden Selbstansprüchen: Adé.
Abgerundet wird die Detox-Smoothie-Sammlung mit dem Mango-Smoothie: 100 Prozent Selbstliebe als Inhaltsstoff. Die hilft gegen die fiesen Reaktionsbeschleuniger; „Ich kann das nicht!“ und „Ich bin nicht gut genug!“

Während ich über weitere Smoothie-Varianten nachdenke, stelle ich fest, dass ich mittlerweile die Mindestzeichenanzahl erreicht habe – dem Detox sei Dank.
Manchmal hilft, einfach mal machen, sich überwinden. Und zu wissen, dass man sein Bestes gegeben hat. Auch ich hab mich dazu überwunden, meinen unperfekten Artikel zu schreiben und genieße nun in Gedanken meine Detox-Smoothies.

Autorin: Pauline Rackebrandt