Zeichnen und Schreiben ist wie ein Spagat fürs Gehirn

Fünf Fragen an Seda Demiriz

Seda Demiriz unterrichtet den Grundkurs Zeichnen. Außerdem betreut sie Bachelorarbeiten im Fach Illustration. Sie illustriert für die New York Times, das Renk Magazin oder Maviblau.
Eigentlich kam Demiriz unter anderem durchs Zeichnen zum Kommunikationsdesign und dachte, dass sich ihr Pfad im Laufe des Studiums noch einmal völlig ändern wird. Aber sie ist dann tatsächlich beim Zeichnen geblieben. Gut so, finden wir!
Neben ihrer Arbeit als Illustratorin ist der Comic Demiriz’ besonderes Steckenpferd. Zeichnen und schreiben zu kombinieren, ist wie ein Spagat fürs Gehirn, sagt sie.
Im Moment interessiert sie sich für die Beziehung zwischen Mensch und Technologie. Diese hat sie zu ihrem aktuellen Webcomic inspiriert.

Name
_Seda Demiriz

Wohn/Arbeitsort
_Mainz

Schwerpunkt
_Illustration

 

Lehre

„Ich habe selbst an der Hochschule Mainz studiert. Da ich für mich noch so viel dazulerne, versuche ich, auch diese eigene Suche in meine Lehre einzubauen. 
Lehre bedeutet für mich, Student|innen Werkzeuge an die Hand zu geben, um sich zu verbessern. Aber natürlich auch, Spaß und Interesse an meinem Gebiet zu wecken, zu diskutieren und in verschiedene Richtungen zu denken.

 In meinem kommenden Seminar fangen wir mit der Annahme an, dass eine gute Zeichnung nicht unbedingt eine naturalistisch-korrekte Zeichnung sein muss. Wir machen Lockerungsübungen wie „Blindzeichnungen“ und andere Techniken, um zeichnerisch besser zu werden.

Es geht mir auch um genaues Beobachten, und wie man am besten vorgeht, wenn man mit dem Skizzenbuch draußen zeichnet.

Wir testen aus, wie man eine Bildidee findet. Nicht zuletzt sprechen wir auch über Repräsentation. Wie stellt man bestimmte Themen oder Menschen dar ohne Klischees zu reproduzieren? Das geht zwar schon in Richtung Illustration, aber ich finde es wichtig, auch beim Zeichnen von Anfang an über diese Aspekte nachzudenken.“

 

Arbeitsweise

„Bei meinen Projekten brauche ich immer eine analytische und eine intuitive Arbeitsweise. Wobei ich glaube, dass bei mir das analytische Denken oft überwiegt!“

 

Helden

„Einer meiner größten Einflüsse ist die kanadische Illustratorin und Comiczeichnerin Jillian Tamaki. Ich finde sehr beeindruckend, wie sie Illustratoren- und Autorinnentätigkeit verbindet. Außerdem wechselt sie zwischen mehreren Zeichenstilen – für mich ist es immer beruhigend zu sehen, dass man sich nicht extrem stilistisch festlegen muss.“

 



Inspiration 

„Ich führe einige digitale Inspirationsordner mit Bildern, oft projektbezogen. Analog führe ich ein Buch, in das ich alles mögliche „skripte“. Das können Dinge sein, die ich gehört oder gesehen habe, vermeintlicher Nonsens, Ideen für Comics. Dieses Buch ist extrem unordentlich und ich zeige es niemandem! Aber gerade dieses ungefilterte Aufschreiben und -zeichnen hat meinen kreativen Prozess sehr verbessert.
Um über den eigenen Tellerrand zu schauen empfehle ich den Newsletter des Autors Austin Kleon. Er teilt jede Woche zehn Dinge aus verschiedensten Bereichen der Kreativität, die er interessant findet.“

https://austinkleon.com/newsletter/

 

Fingerzeig 

„Offen für Kritik sein und diese nicht persönlich nehmen. Mit möglichst vielen Leuten reden und die eigenen Sachen zeigen, auch wenn man das Gefühl hat, man ist noch nicht „gut genug“. Man kann oft selbst nicht wissen, wann man „bereit“ für einen bestimmten Job oder die Selbstständigkeit ist. Spezialisierung ist toll, aber es ist auch okay, viele verschiedene Dinge tun zu wollen. Und sich nicht entmutigen lassen, von niemandem!“

 

Webseite / Social-Media
sedademiriz.com
Instagram
@seda_demiriz
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